Love Roulette
Chris Niemeyer, Switzerland, Austria, 2025o
Charlie and Tom have been a couple for fifteen years. Now, in their thirties, they want to take the next step and get married – but they are getting cold feet: what if they later regret never having lived life to the full? The two decide to take a six-month break from monogamy – and to report back regularly.
Yvonne Eisenring prägt diese romantische Zürcher Komödie in fast jeder Hinsicht: Die Autorin und Erfolgs-Podcasterin (Zivadiliring) hat das Drehbuch geschrieben mit Dialogen, die sich unermüdlich um zeitgeistige Beziehungsfragen drehen. Und sie ist in ihrer ersten Filmrolle dauerpräsent: Als Charlie, der hyperlebendigen, quirlig quasselnden und doch auch reflektierten Langzeitfreundin von Tom (Max Hubacher). Als sie ihn auf ihrem Lieblingsbänkli mit Stadtblick erfolgreich auf die Idee bringt, ihr doch einen Heiratsantrag zu machen, sind beide euphorisch über den Plan. Doch schnell schleichen sich bei den Mitdreissigern angesichts der selbst gesetzten Frist Zweifel ein: Heisst das nun, dass sie, wie schon seit fünfzehn Jahren, nur noch miteinander Sex haben? Das wars also? Ein Vertrag öffnet die Beziehung für ein halbes Jahr – und das Bänkli wird zum Ort regelmässiger Treffen, um einander auf dem Laufenden zu halten. In der Liebeskomödie von Chris Niemeyer gibt es diverse Dinge, die nerven können, von der musikalischen Dauerschleife über plakativ gezeichnete Nebenfiguren bis zur Ästhetik, die gelegentlich an Werbevideos erinnert (auch wenn man die Zürcher Locations alle mag). Aufgewogen wird das durch die unbekümmert direkte Konfrontationstechnik von Eisenring alias Charlie, die für manch komische Szenen sorgt: Als Charlie ihrem Max in einer Bar beibringt, wie man Frauen (nicht) anmacht, ist das nicht nur lustig, man nimmt den beiden ihr unbekümmertes Spiel auch ab, weil die Chemie stimmt. Das ist auch ein Verdienst von Max Hubacher, der oft einen subtileren Tonfall einbringt.
Kathrin HalterGalleryo
