Mother Mara
Mirjana Karanović, Serbia, Switzerland, Bosnia and Herzegovina, 2024o
Mara, a successful businesswoman and single mother, is heartbroken after her son Nemanja’s untimely death. She becomes emotionally detached, refusing to communicate with friends and family. However, when she meets Milan, Nemanja’s close friend, she finds solace and comfort in their relationship.
Die serbische Schauspielerin Marjana Karanovic dürfte bei uns manchen noch als Das Fräulein im gleichnamigen Film der schweizerisch-kroatischen Regisseurin Andrea Staka bekannt sein und ist auf dem Balkan schon seit den 1980er Jahren eine der gefragtesten Darstellerinnen überhaupt. In ihrer zweiten Regie- und Drehbucharbeit nun tritt sie als erfolgreiche Anwältin und alleinerziehende Mutter in Belgrad auf, die nach dem plötzlichen Tod ihres 20jährigen Sohnes scheinbar gefasst in ihre Luxusvilla und Karriere zurückkehrt, de facto aber den Boden unter den Füssen verliert. Ausgerechnet die «ungehörige» Liebschaft mit einem dreissig Jahre jüngeren Kollegen ihres Sohnes lässt Mara schliesslich wieder Tritt fassen. Diese einfache Handlung und existenzielle Krise inszeniert Karanovic in ruhigem Wechsel von durchkomponierten Totalen und Nahaufnahmen als eine Zeit des rasenden Stillstandes. Zugute kommt ihr dabei ihr ausdrucksstarkes Gesicht, in dem der innere Aufruhr hinter einer beherrschte Fassade lesbar ist wie einst schon bei Stakas goldprämiertem Locarneser Debütfilm von 2006. Staka hat Mother Mara übrigens koproduziert und wie bei ihrem vielleicht stärksten eigenen Film, Mare (2019), besticht dabei die Selbstverständlichkeit, mit der eine selbstbestimmte Frau in einer Zeit der Krise mit allen Lebensspuren inszeniert wird: feminine Eigenständigkeit nicht als programmatische Ansage, sondern als täglich gelebte Normalität.
Kerstin Blank
